Biografie

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Biografie

Das Haus in der Theaterstraße wurde 1754 oder 1756 von einem Nagelschmied namens Georg Hack erbaut.

Damals befanden sich die Marställe der Markgräfin direkt gegenüber. Das Haus Nr.10 war das Ende der Altstadt, den Theaterplatz gab es nicht. Dort waren nur Feld, Wald und Wiesen.

Tini Herrmann-Dörr kaufte das Haus 1977 von einem Postbeamten. Dieser wohnte selbst im Haus und vermietete die anderen Zimmer an Studenten.

Das Anwesen bestand aus einem Vorderhaus, einem Seitenflügel, einem kleinen Hinterhaus und am Ende des Grundstückes war ein kleines „Hexenhäuschen“ mit zwei Zimmern und Ofenheizung. Es gab nur Kaltwasser im Haus, eine einzige Toilette und keine Heizung. Um in den ersten Stock zu gelangen, musste man über eine Außentreppe im Innenhof gehen. Danach kam ein verschalter Holzbalkon, der zu diesem Zeitpunkt im Fußbodenbereich weich wie Butter war. Dann trat man in den schmalen Flur im 1. Stock.

Ein halbes Jahr später, nachdem Frau Herrmann-Dörr das Haus gekauft hatte, fing sie am 13.12.1977 an, umzubauen. Die Baufirma hatte alles aufgerissen und die Baustelle nicht ordentlich gesichert, so dass ein paar Tage später die Wasserleitung im gesamten Vorderhaus und Seitenflügel einfror und alle Wasserleitungen aufplatzten. Dies bedeutete, dass während der nächsten vier Monate kein Wasser zum Bau im Haus zur Verfügung stand.

Bauziel war Vorderhaus und Seitenflügel mit neuer Elektrik, Sanitäreinrichtungen, Heizung, neuem Dach, neuen Fenster und vielem mehr zu versehen. Das Haus wurde vollständig entkernt, alte Tapeten, die zentimeterdick an den Wänden klebten, wurden entfernt und das dahinterliegende Fachwerk freigelegt.

Der bestehende Dachboden war nicht nutzbar, also wurde das Dach zum Hof hin angehoben und mit einer 40 Grad Neigung versehen, damit der Raum genutzt werden konnte. Der gesamte Dachstuhl wurde neu gemacht. Die Treppe wurde im Vorderhaus kreisrund zementiert und gleichzeitig ein rundes Mauerwerk um die Treppe inklusive Träger eingebaut. Das Treppenhaus wurde bis nach oben in den 2. Stock hochgemauert, um das neue Dach abzufangen.

Die Eigenleistungen sahen vor, alle Balken selbst abzuschleifen und einzulassen, die alten Decken frei zu legen, alten Putz abzuklopfen, die Baustellen täglich aufzuräumen und letztendlich die Wände selbst zu streichen. Auch die Einbauschränke wurden, neben vielem anderen, in Eigenleistung selbst gebaut.

Die Bauarbeiten gingen reichlich schleppend voran und die Fertigstellung sollte dann Anfang September 1978 erfolgen.

Der Einzug der Familie folgte nächtlich am 27.09.1978 mit Tini, Tinis Freund, Tochter Sonja und Katze Blinki.

Fassade (1977)
Fassade (1977)

Innenhof (1977)
Innenhof (1977)

Hexenhaus (1977)
Hexenhaus (1977)

Die unteren Räumlichkeiten sowie auch das kleine Hinterhaus und das „Hexenhäuschen“ wurden vermietet. Im Jahr 1980 wurde der Innenhof neu angelegt.

Im Lauf der Jahre kamen viele Leute vorbei, die hier schon einmal gewohnt hatten. Im 2. Weltkrieg beispielsweise wohnten 6–8 Personen im heutigen Zimmer Nr.13, die meisten von ihnen waren nach Kriegsende nach Amerika ausgewandert.

Tini Herrmann-Dörr hatte zu diesem Zeitpunkt (1980) eine Kneipe, war Geschäftsführerin einer Werbeagentur und beteiligt an einer Siebdruckerei.

1981 heiratete sie zum 2. Mal und im September kam die 2. Tochter Nora zur Welt.

Damals sagte Tini immer:
wenn alle Stricke reißen ….mache ich ein Hotel daraus…

So wurde das Hotelchen am 10.7.1982 mit fünf Zimmern eröffnet.
Davon hatten zwei ein gemeinsames Bad und eine Küche, eines nur Waschbecken und Ofenheizung und zwei Dusche und Waschbecken.

Die ersten Gäste waren aus Korsika und kamen vom Theater Erlangen anlässlich der internationalen Theatertage auf dem Theaterplatz. In der ersten Eröffnungswoche war das Hotelchen mit den Korsen bereits ausgebucht! Domenico und Patricia, die Leiter dieser Theatergruppe, wuchsen uns in diesen elf Tagen ans Herz. Wir besuchten sie 1985 alle gemeinsam (Tini, Sonja und Nora) in Korsika.

Das Hotelchen am Theater lief sehr gut an. Die Verbindung von Arbeit und dabei gleichzeitig die Töchter zu versorgen war einfach ideal. So wurden nach einem halben Jahr weitere Möglichkeiten gesucht, den Standard anzuheben und das Hotelchen weiter auszubauen.

Im Sommer 1983 wurde dann das Hinterhaus mit zwei neuen Zimmern ausgebaut. So waren es dann sieben Zimmer für Hotelgäste. Die Familie wohnte im 1. und 2. OG des Haupthauses.

Im ersten Jahr hatte Tini noch alles alleine gemacht: Die Zimmer, das Frühstück, die Versorgung der ankommenden und abreisenden Gäste, Reservierungen annehmen, Marmelade kochen sowie die Wäsche waschen und mangeln. Dann wurden zur Unterstützung zwei Frauen eingestellt, die vormittags abwechselnd arbeiteten. Eine von beiden war etwa 20 Jahre im Hotelchen beschäftigt. Die Zweite, Gerdi Schleifer, war 25 Jahre bei uns und hat im März 2008 aus Altersgründen leider aufgehört, zu arbeiten.

Das Frühstück wurde von Anbeginn an in unserem Esszimmer serviert.

Zwei der ersten Gäste aus dieser Zeit sind Ulla Penzoldt (Tochter von Ernst Penzoldt) und Neville Tranter (Puppenspieler aus Amsterdam).

1986 wurde dann richtig um- und ausgebaut. Die beiden kleinen Hinterhäuser wurden teilweise abgerissen und beide Häuser miteinander verbunden. Für das 1.OG wurde eine Außentreppe aus Holz gebaut und so entstanden sechs neue Zimmer mit Bad.

Fassade (2000)
Fassade (2000)

Hexenhaus (1987)
Hexenhaus (1987)

Innenhof (1981)
Innenhof (1981)

Sonja und Nora wuchsen zusammen mit den Hotelgästen auf und Tochter Sonja hatte schon mit 14 Jahren alleine vier amerikanische Junior-Manager eingecheckt. Einer davon war Tom Miller (später Vice-President von UB-Med in Erlangen)

Die Familie zog 1993 aus dem Hotelchen nach Stolzenroth in den Schlossbauernhof, welcher von Tini Herrmann-Dörr zuvor noch aus einer Ruine kernsaniert wurde und welcher seit Anbeginn bis zum heutigen Tage von Sonja bewirtschaftet und erhalten wird.

Die Privatwohnung im Hotelchen wurde nach dem Auszug zu weiteren Hotelzimmern um- und ausgebaut. So entstanden zwei weitere Zimmer und ein Studio mit Sauna. Somit kommt das Hotelchen auf insgesamt zwölf Zimmer plus ein Studio auf insgesamt 275 qm Fläche.

Seit 2002 arbeitete auch Nora im Hotelbetrieb mit Unterbrechung als Hotelfachfrau in der Schweiz. Ab 2005 wurde der Betrieb von Tini und Nora gemeinsam geführt.

Weihnachten 2013 wurde der Betrieb auf die bis dahin härteste Probe gestellt. Tini Herrmann-Dörr verstarb ganz plötzlich. Sie fehlt uns bis heute als Freundin und als Mutter.

Seitdem wird der Betrieb von Nora und Ihrem Team geführt.

Darunter die langjährige Mitarbeiterin Selina Boos (Sie absolvierte 2013 im Hotelchen bereits mit Bravour ihre Ausbildung zur Hotelfachfrau mit Auszeichnung der IHK Mittelfranken), Sie gehört seit 2010 zum Team, sowie Stefan Blendinger, welcher seit 2014 unser Genie im Handwerklichen und an der Nähmaschine ist.

Jüngste Renovierungen seit 2014 erfolgten in der Hotelküche, welche bis dahin 30 Jahre treue Dienste geleistet hatte.

Im Dezember 2016 wurde unsere Hoftreppe erneuert, sie ist nun aus Stahl.

Ebenfalls in diesem Jahr haben wir in neun Hotelzimmern sowie dem Esszimmer neue Lampensysteme installiert. Die Heizungsanlage wurde 2017 im Februar erneuert. Unsere Zimmer 18,19 und 20 bekamen komplett neue Fußböden aus Fichtenholz mit Schallschutz.

2018 bis 2019 wurden im Büro und im Frühstücksraum die Böden erneuert und mit Trittschall und neuer Unterkonstruktion versehen. Die vorderen Zimmer erhielten speziell angefertigte Schallschutztüren und wir haben mit der Sanierung der Badezimmer begonnen.

Zu unseren Eigenleistungen gehört unter anderem das alljährliche Streichen aller Hotelzimmer sowie das Schleifen und Streichen aller 48 Fenster und Türen im Haus.

Zum Schluss: Was uns motiviert und auszeichnet, sind unsere Gäste und Besteller, die zu 100% sehr liebenswürdig und nett sind, sodass uns allen die Arbeit sehr viel Spaß macht und uns täglich neu motiviert. In unserem „Walk of Fame“ finden Sie alle VIPs die schon bei uns genächtigt haben.

Geschrieben von
Tini Herrmann-Dörr am 10.06.2008
und
Nora Dörr am 10.02.2021


Zertifiziert mit dem DEHOGA Wohlfühl-Siegel